Archiv für Juni 2008

Cosmopolitan Krauts? Fuck off! (1)

Die Hochschulgruppe sur l´eau spricht sich gegen die Übertragung der Spiele der Fußball-Europameisterschaft, die Anfang bis Ende Juni diesen Jahres in der Schweiz und in Österreich stattfindet, im Campusgarten des Projekt 7 aus.

An der Deutschlandfahne kleben die rassistischen Gewalttaten von Rostock, Mölln und Solingen.

Zur FIFA WM 2006 wurde in Magdeburg jedes Spiel live auf dem Domplatz übertragen. Das dafür eigens angelegte WM-Dorf war mit einem 25 qm großen LED-Bildschirm ausgestattet und bot Platz für mehr als 10 000 Menschen. Damit war die Landeshauptstatt Gastgeber der wohl größten Fußball-Fanmeile in Sachsen Anhalt. Ein kultureller Rahmen wurde mit 32 „Länderhütten“ geschaffen. Neben den vielen anderen Hütten präsentierte sich in der kleinen Hütte mit dem Schild „England“ die Magdeburger Hooligan-Marke „Pro Violence“, fuhr dort ganz offiziell ihr Programm auf, welches so gar nicht zu einem friedlichen Miteinander unter dem Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“ passen konnte und wollte und steckte damit vor allem inhaltlich den Rahmen ab, in dem das public viewing stattfinden sollte (2).
Der Platz war überfüllt von Menschen, die sich eingelullt in Deutschland-Merch in teilweise abstoßend nationalistischer Art und Weise verhielten. In eindeutiger schwarz-rot-goldenr Fan-Dominanz und bisweilen recht aggressiv bedrohten die Anwesenden »andersdenkende« Fußballfans, Passanten und zum Teil die Standbetreiber. Der Platz war im patriotischen Taumel und die Differenz zur prolligen Eckkneipe war nur noch marginal.

Die Allgemeinheit der Schwarz-Rot-Goldenen-Fanmasse war objektiv eben nicht auf guten Fußball eingeschworen, sondern vor allem auf IHRE Nation und ihr eigenes Deutsch-Sein. So war es nicht verwunderlich das die Partystimmung oft kippte, wenn die deutsche Nationalmannschaft mal den schlechteren Fußball spielte und logischerweise unterlag. So zogen auch durch Magdeburg „Fans“ und pöbelten „Scheiß Itaker“ (3) und andere Scheußlichkeiten.

Die mediale und gesellschaftliche Inszenierung der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer im Jahre 2006 demonstrierte einen ungebrochenen positiven Bezug auf die deutsche Nation, der eine Kritik daran beinahe kategorial ausschloss und den deutschen Nationalismus auf der Höhe der Zeit als eine Modernisierungsbewegung und – erscheinung Deutschlands zugleich verkaufte.
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